 ##  [Abfraktion](/de/node/66023) 

 Definition

Lokalisierter, häufig keilförmiger Verlust zervikaler dentaler Hartsubstanz, dem ein biochemisches Flexions‑ und Spannungskonzentrationsmodell zugeschrieben wird: Unter okklusaler Belastung entstehen Mikrofrakturen und Substanzverlust von Schmelz und Dentin im zervikalen Bereich.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Konzentration von Zug‑ und Druckspannungen in der zervikalen Region bei exzentrischer okklusaler Belastung kann Schmelz‑Mikrorisse und fortschreitenden Materialverlust an Spannungskonzentrationspunkten bewirken; die Diagnosestellung erfordert die Korrelation der Läsionsmorphologie mit okklusalen Belastungsmustern und den Ausschluss vorwiegend chemischer oder rein abrasiver Ursachen.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario: Ein Patient zeigt schmale, keilförmige zervikale Defekte an Prämolaren und berichtet über starke laterale Okklusionskontakte (Situation). Bei Untersuchung entsprechen die Defekte den Achsen der okklusalen Belastung und nicht Putzhistorie (Erkennung). Das Management umfasst okklusale Anpassung oder Schienung sowie ggf. restauratives Verschließen der Defekte (Handlung). Werden die okklusalen Spannungen reduziert, kann die stressbedingte Progression begrenzt werden; verbleibende biomechanische Belastung kann jedoch weiteres Wachstum der Läsionen fördern (Konsequenz).

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Jede zervikale Keildefekt automatisch als Abfraktion zu interpretieren, ohne chemische Erosion oder mechanische Abrasion zu prüfen; der Denkfehler ist, eine multifaktorielle Läsion einer einzigen biomechanischen Ursache zuzuschreiben und andere modifizierbare Faktoren zu vernachlässigen.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Wenn biomechanische Belastung eine bedeutende Rolle spielt und nicht behandelt wird, können Defekte tiefer werden und die Haftung restaurativer Maßnahmen erschweren; andererseits verhindert alleinige Okklusionsbehandlung bei dominierenden chemischen oder abrasiven Faktoren die Progression nicht.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Manche zervikalen Keildefekte, die nach Abfraktion aussehen, sind primär erosiver oder abrasiver Herkunft; bei minimaler okklusaler Belastung ist der Abfraktionsmechanismus unwahrscheinlich und andere Ursachen sind zu prüfen.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Eindeutig innerhalb: Schmaler, scharf begrenzter zervikaler Keildefekt, ausgerichtet entlang okklusaler Belastungsvektoren und ohne Hinweise auf abrasives Putzen oder großflächig geglättete Säurewirkung. Randfall: Zervikalläsion mit gemischten Merkmalen — Morphologie, Anamnese und Tests auf Säureexposition und Putzverhalten bestimmen den dominanten Mechanismus. Eindeutig außerhalb: Breite, glatte zervikale Substanzverluste durch chemische Erosion oder polierte V‑förmige Rillen, die klar zum Putzen passen.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Die biomechanische Erklärung der Abfraktion steht im Wettbewerb mit chemischen (Erosion) und mechanischen (Abrasion) Erklärungen für zervikale Läsionen; die klinische Entscheidungsfindung muss bestimmen, welches Prinzip überwiegt, um wirksam zu intervenieren.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Abfraktion ist ein biomechanisch konzipierter Befund für lokal begrenzten zervikalen Substanzverlust; da solche Läsionen oft multifaktoriell sind, ist eine sorgfältige differentielle Bewertung von okklusalen Belastungen, abrasivem Verhalten und Säureexposition unabdingbar, bevor Ursache und Therapie festgelegt werden.