 ##  [Herdenimmunität](/de/node/66796) 

 Definition

Eine populationsbezogene Verringerung der Krankheitserregerübertragung, die entsteht, wenn ein ausreichend großer Anteil der Individuen immun ist (durch Impfung oder frühere Infektion) und dadurch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass empfängliche Individuen auf infektiöse Kontakte treffen, was indirekten Schutz für Nichtimmunisierte bietet.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Der Anteil immuner Individuen, der notwendig ist, um die Übertragung deutlich zu reduzieren, steigt mit der Basisreproduktionszahl (R0) des Erregers und wird durch Heterogenitäten in Kontaktmustern, Verteilung der Immunität, Impfstoffwirksamkeit und Immunitätsverlust beeinflusst; homogene Schwellenabschätzungen (z. B. 1 − 1/R0) sind näherungsweise und kontextabhängig.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario: In einem geschlossenen Milchviehbestand führt die Impfung eines hohen Anteils erwachsener Kühe gegen ein direkt übertragbares Virus zu weniger infektiösen Tieren und einer reduzierten Infektionskraft. Neugeborene Kälber, zwar teilweise empfänglich, werden seltener exponiert und erleiden weniger klinische Fälle, was indirekten Schutz durch Herdenimmunität zeigt.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Fehlinterpretation: Zu glauben, Herdenimmunität garantiere Null Fälle oder individuellen Schutz. Semantischer Fehler: Reduzierte Populationsübertragung mit absoluter individueller Immunität verwechseln. Korrekte Interpretation: Herdenimmunität senkt die Übertragungswahrscheinlichkeit, beseitigt jedoch nicht das Risiko für jedes empfängliche Individuum und ist abhängig von Durchimpfungsrate, Immunitätsqualität und Kontaktstruktur.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Hohe Populationsimmunität kann anhaltende Ausbrüche verhindern, die Inzidenz reduzieren und vulnerable Gruppen schützen; unvollständige Abdeckung, Immunitätsverlust, heterogene Durchmischung, Tierbewegungen und nichthost‑Reservoire können die Übertragung aufrechterhalten oder ein Wiederaufleben ermöglichen, und unter bestimmten Bedingungen kann Selektionsdruck Immune‑Escape‑Varianten begünstigen.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Herdenimmunität kann verloren gehen, wenn Immunität nachlässt, die Impfdeckung sinkt, die Übertragbarkeit des Erregers steigt (höherer effektiver R) oder ein neues, die Immunität umgehendes Variant auftaucht; dann reicht der frühere indirekte Schutz nicht mehr aus und Schwellen müssen neu berechnet werden.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Eindeutig enthalten: Populationsweite Reduktion der Übertragung eines direkt übertragbaren Virus nach breiter wirksamer Durchimpfung. Grenzfall: Teilwirksamer Impfstoff, der die Krankheits-schwere mindert, aber nicht Infektion oder Übertragung verhindert — indirekter Schutz ist schwächer und Schwellenkonzepte sind weniger anwendbar. Eindeutig ausgeschlossen: individuelle passive Immunität durch Kolostrum, die ein einzelnes Neugeborenes schützt, ohne die Populationsdynamik zu verändern.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Individuelle Autonomie (Entscheidungen zur Impfung) ↔ Kollektiver Schutz (Nutzen auf Populationsebene); Maßnahmen zur Erhöhung der Herdenimmunität können mit individuellen Entscheidungen kollidieren und erfordern Abwägung zwischen Rechten, Anreizen und tiergesundheitlichen Pflichten.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Herdenimmunität ist eine emergente, quantitative Eigenschaft von Wirts‑Populationen, bestimmt durch Immunitätsprävalenz, Verteilung, Erregertransmissibilität und Kontaktstruktur; praktische Anwendung verlangt Integration von Impfstoffleistung, Heterogenität und Bewegungen statt Verlass auf eine einzige numerische Schwelle.