 ##  [Farbwinkel (H°)](/de/node/67589) 

 Definition

Ein colorimetrischer Parameter, abgeleitet aus chromatischen Koordinaten (üblich a* und b* im CIELAB), der die wahrgenommene Farbtonrichtung einer Probe als Winkelposition in der chromatischen Ebene ausdrückt, konventionell berechnet mit atan2(b*, a*) und in Grad (H°) angegeben; er kennzeichnet die dominante Farbtonrichtung, liefert jedoch keine Information über Helligkeit oder Chroma‑Stärke.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Der Farbwinkel wandelt die zweidimensionale Chromatizität (a*, b*) in eine einzelne zirkuläre Koordinate um, die die Farbtonrichtung bewahrt und den chromatischen Ton von Chroma (Abstand vom Ursprung) und Helligkeit (L*) trennt; ist die Chroma jedoch nahe null, ist der Winkel instabil und wahrnehmungsphysiologisch bedeutungslos.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario: Bei einer gemessenen Probe mit a* = 20 und b* = 10 ergibt sich H° = atan2(10,20) ≈ 26,6°; der Winkel platziert die Probe im Rot‑Gelb‑Sektor. Das Labor gibt ergänzend Chroma (C* = sqrt(a*² + b*²)) und L* an, denn H° allein lässt Sättigung und Helligkeit weg.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

H° als vollständige Farbbeschreibung zu melden oder zu interpretieren ohne Bezug auf Chroma und Helligkeit, oder die korrekte atan2‑Konvention und Quadrantenbehandlung zu missachten; der semantische Fehler besteht darin, eine zirkuläre Koordinate unabhängig von ihrer Magnitude zu behandeln und die Mehrdeutigkeit nahe neutraler Punkte zu ignorieren.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Richtig verwendet mit begleitender Angabe von Chroma und Helligkeit ermöglicht H° das Monitoring von Farbverschiebungen (z. B. von Grünton zu Rottönung beim Reifen) und das Festlegen von Toleranzen; Fehlgebrauch kann zu Fehlklassifikation oder verborgener Instabilität in Kontrollcharts führen, wenn Proben die Neutralität erreichen.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Bei sehr niedriger Chroma (C* nahe null) oder Messrauschen, das im Verhältnis zu a* und b* groß ist, stellt H° die wahrgenommene Farbtonrichtung nicht sinnvoll dar; dann sind alternative Beschreiber (kategorische Farbnamen, spektrale Metriken) erforderlich.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Klar innerhalb: Proben mit messbarer Chroma in der CIELAB‑chromatischen Ebene, bei denen a* und b* deutlich von null abweichen. Randfall: schwach gefärbte oder sehr entsättigte Proben, bei denen H° stark durch kleine Messfehler schwankt. Klar außerhalb: Farben, die nur durch spektrale Kurven beschrieben werden ohne chromatische Projektion, oder Systeme mit anderen chromatischen Definitionsweisen.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Kompaktheit einer einzigen Winkelbeschreibung des Farbtons versus Informationsverlust über Magnitude (Chroma) und Helligkeit: H° ist praktisch zur Kommunikation der Farbtonrichtung, muss aber durch weitere Messgrößen abgesichert werden, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Der Farbwinkel ist ein nützlich kompakter Deskriptor der Farbtonrichtung im chromatischen Raum, am sinnvollsten in Kombination mit Chroma und Helligkeit; er erleichtert Vergleiche der Farbtonrichtung, ist jedoch unzuverlässig für neutrale oder rauschbehaftete Messungen.