Definition
Eine sozialpsychologische Theorie, die postuliert, dass das Verhalten einer Person primär durch die Verhaltensintention vorhergesagt wird, welche wiederum von drei proximalen Determinanten geformt wird: Einstellung zum Verhalten (Glauben über Folgen und deren Bewertung), subjektive Normen (wahrgenommener sozialer Druck) und wahrgenommene Verhaltenskontrolle (Einschätzung von Leichtigkeit/Schwierigkeit der Ausführung); wahrgenommene Kontrolle kann dort, wo die tatsächliche Kontrolle begrenzt ist, auch direkt auf das Verhalten einwirken.
Prinzip
Prinzip
Die Veränderung von Einstellungen, wahrgenommenen Normen oder wahrgenommener Verhaltenskontrolle verändert Intentionen und — bei genügend tatsächlicher Kontrolle — entsprechend das Verhalten; wahrgenommene Kontrolle moderiert zudem die Stärke der Intention→Verhalten‑Beziehung.
Demonstration
Demonstration
Illustratives Szenario — Situation: Ein Krankenhaus möchte die Händehygiene des Personals steigern. Erkennen: Personal berichtet positive Einstellungen, aber geringe wahrgenommene Kontrolle wegen fehlender Spender und nimmt wahr, dass Kollegen Händehygiene nicht priorisieren (Normen). Handlung: zusätzliche Spender installieren (tatsächliche und wahrgenommene Kontrolle erhöhen), Peer‑Champion‑Kampagnen durchführen (subjektive Normen verschieben) und kurzes Feedback geben (Einstellungen beeinflussen). Folge: Die Intentionen zur Händehygiene steigen und die beobachtete Compliance erhöht sich, wenn praktische Beschränkungen beseitigt werden.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Intentionen mit Verhalten gleichzusetzen oder anzunehmen, dass das Ändern deklarierter Überzeugungen automatisch Verhalten bewirkt, ohne tatsächliche Kontrolle, Gewohnheiten, Emotionen oder konkurrierende Anreize zu adressieren; wahrgenommene Kontrolle mit objektiver Kontrolle zu verwechseln.
Konsequenz
Konsequenz
Bietet strukturierte Zielgrößen für Interventionen und Messungen (Einstellungen, Normen, wahrgenommene Kontrolle, Intentionen) und unterstützt Designs, die Überzeugungsänderung mit Verbesserungen der Verhaltenskontrolle kombinieren; alleinige Fokussierung auf Intentionen droht jedoch begrenzte Wirkung bei großen Intention‑Verhalten‑Lücken oder strukturellen Barrieren.
Umkehrung
Umkehrung
Bei automatischen, habitualisierten, impulsiven oder stark eingeschränkten Verhaltensweisen (z. B. Suchterkrankungen, reflexhafte Reaktionen) sagt das Intentionenkonstrukt Verhalten schlecht voraus; dann sind Modelle, die Habit, Emotion oder strukturelle Determinanten betonen, geeigneter.
Abgrenzung
Abgrenzung
Eindeutig enthalten: geplante, überlegte Handlungen, bei denen Personen Intentionen bilden und Kontrolle ausüben können (z. B. Sporteinplanung, Teilnahme an Screening). Grenzfall: teilweise geplante Verhaltensweisen mit starken Habit‑ oder Umweltfaktoren. Eindeutig ausgeschlossen: reflexhafte oder biologisch gesteuerte Handlungen, die deliberative Intention umgehen.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung zwischen sparsamen, individuumszentrierten kognitiven Handlungstheorien (Einstellung/Normen/Kontrolle) und ökologischen oder strukturellen Modellen, die Umwelt, Politik und soziale Systeme priorisieren; die Wahl beeinflusst Interventionsfokus und Bewertungsmetriken.
Synthese
Synthese
Die TPB bietet eine prägnante, prüfbare Erklärung, wie Überzeugungen und wahrgenommene Kontrolle Intentionen und Handlung formen und ist nützlich zur Gestaltung zielgerichteter Interventionen; sie muss jedoch durch Maßnahmen ergänzt werden, die tatsächliche Kontrolle, Gewohnheiten und kontextuelle Beschränkungen adressieren, um die Intention‑Verhalten‑Lücke zu schließen.