Definition
Ein psychophysisches Modell, das Webers Beobachtung verbindet — die gerade noch wahrnehmbare Differenz (JND) ist proportional zur Ausgangsgröße (Webersches Gesetz) — mit Fechners Formulierung, dass empfundene Empfindung annähernd als Logarithmus der Reizintensität wächst. Es beschreibt eine annähernd logarithmische Skalierung der wahrgenommenen Intensität gegenüber der physikalischen Größe im mittleren Bereich vieler Sinnesmodalitäten.

Prinzip

Prinzip
Wahrnehmungssysteme komprimieren physikalische Reizbereiche so, dass wahrnehmbare Schritte ungefähr konstanten proportionalen Änderungen der Reizgröße entsprechen; die Integration konstanter Weber‑Fraktionen ergibt eine logarithmische Empfindungsfunktion.

Demonstration

Demonstration
Illustratives Szenario — Situation: Eine Versuchsperson beurteilt Helligkeitszunahmen. Erkennung: Die kleinste wahrnehmbare Zunahme ist bei höherer Ausgangshelligkeit in absoluten Candela größer, entspricht aber einem ähnlichen Anteil der Ausgangshelligkeit. Handlung: Versuchsleiter variieren die Ausgangshelligkeit und messen den JND; empfundene Helligkeitsurteile skalieren im Mittelfeld annähernd logarithmisch mit der Reizintensität. Folge: Beobachtete proportionale JNDs und logarithmische Abbildung erleichtern psychophysikalische Messungen und Schnittstellengestaltung.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Weber‑Fechner als universell exakt für alle Modalitäten und Intensitätsbereiche zu behandeln. Der semantische Fehler besteht darin, Webers proportionale JND‑Beobachtung und Fechners integriertes logarithmisches Modell nicht zu unterscheiden und Fälle zu übersehen, in denen Stevens' Potenzgesetz oder neuronale Sättigung bessere Modelle liefern.

Konsequenz

Konsequenz
Leitet Versuchsdesign, sensorische Skalierung und Ingenieursanwendungen (z. B. Pegelregelung, dB‑Skalen), beruht jedoch auf Annahmen, die nahe Schwellen und bei extremen Intensitäten oder für nicht‑logarithmische Modalitäten versagen.

Umkehrung

Umkehrung
Bei sehr niedrigen Intensitäten nahe der Schwelle und sehr hohen Intensitäten nahe Sättigung können Weber‑Fraktionen und logarithmische Skalierung versagen; für viele Modalitäten passt Stevens' Potenzgesetz oft besser zu empirischen Daten.

Abgrenzung

Abgrenzung
Klar innerhalb: mittlere Reizintensitäten, bei denen JND‑Proportionalität die Beobachtungen annähernd beschreibt. Randfall: Intensitäten nahe Schwelle oder Sättigung, wo Proportionalität auseinanderläuft. Klar außerhalb: Sinneskanäle oder Urteile, die von kategorialer Wahrnehmung oder nichtlinearem neuronalen Kodieren dominiert werden.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Spannung zwischen Weber‑Fechners logarithmischer Kompression und empirischen Alternativen wie Stevens' Potenzgesetz (logarithmische Kompression ↔ Potenzgesetz‑Skalierung).

Synthese

Synthese
Weber‑Fechner drückt aus, dass Wahrnehmung weite physikalische Bereiche komprimiert, sodass gleiche wahrnehmbare Schritte etwa gleichen proportionalen Reizänderungen entsprechen; es ist ein approximatives, historisch grundlegendes Modell, dessen Anwendbarkeit modalitäts‑ und bereichsspezifisch geprüft werden muss.