Definition
Ein Übertragungsmodell, bei dem die pro‑Kopf‑Übertragungsrate mit der Dichte der Wirtspopulation zunimmt, weil die Kontaktzahlen mit der Dichte skalieren; typischerweise durch Übertragungsterme dargestellt, die proportional zur Populationsgröße sind (z. B. βN oder β(N)) statt zu frequenzabhängigen Termen, und angewandt, wenn Kontakte zunehmen, sobald mehr Wirte im selben Gebiet vorhanden sind.

Prinzip

Prinzip
Steigende Wirtsdichte erhöht effektive Kontakte pro Individuum und damit die Übertragung auf Populationsebene; Kontrollmaßnahmen, die die Dichte reduzieren (z. B. Entvölkerung, Abstand), verringern die Übertragung, wenn Dichteabhängigkeit gilt.

Demonstration

Demonstration
Illustratives Szenario → In einer frei umhergehenden Herde, in der sich Tiere homogen mischen, führt eine Verdopplung der Tierzahl pro Gehege in vielen Modellen zu mehr erwarteten Kontakten pro Tier und zu höherer Inzidenz in Simulationen mit dichteabhängiger Übertragung als unter Annahme frequenzabhängiger Übertragung.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Ein dichteabhängiges Modell auf Erreger anwenden, deren Übertragung frequenzabhängig ist (z. B. sexuell übertragbare Infektionen, einige vektorvermittelte Krankheiten) oder lineare Skalierung bei allen Dichten annehmen. Der Fehler ist die Wahl einer ungeeigneten funktionalen Form für die Kontaktrate, was Schwellenwerte und Wirksamkeit von Maßnahmen verändert.

Konsequenz

Konsequenz
Wenn geeignet, sagen dichteabhängige Modelle voraus, dass die Reduktion der Wirtsdichte R0 senkt und die Übertragung eliminieren kann; Fehlannahmen können zu falschen Interventionsentscheidungen führen (z. B. unnötige Keulung oder wirkungslose Maßnahmen, wenn Frequenzabhängigkeit dominiert).

Umkehrung

Umkehrung
Bei sehr niedrigen oder sehr hohen Dichten können Sozialverhalten, Territorialität, Kontaktsättigung oder räumliche Struktur die Kontaktzahlen von der Dichte entkoppeln und zu effektiv frequenzabhängiger Übertragung oder nichtlinearen Sättigungseffekten führen; dann ist die einfache dichteabhängige Form ungeeignet.

Abgrenzung

Abgrenzung
Eindeutig innerhalb: direkt übertragbare Erreger in unstrukturierten oder gut gemischten Wirtspopulationen, in denen Kontaktzahlen mit der Dichte zunehmen. Grenzfall: teilweise dichteabhängige Systeme, bei denen nur bestimmte Kontaktarten mit der Dichte skalieren. Eindeutig außerhalb: Infektionen, deren Kontaktwahrscheinlichkeit unabhängig von der Wirtsdichte ist (klassisch frequenzabhängige Erreger, viele sexuell übertragbare oder vektorübertragene Infektionen).

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Dichteabhängigkeit (Eindämmung durch Dichteverminderung) ↔ Frequenzabhängigkeit (Eindämmung durch Verringerung der Kontaktwahrscheinlichkeit oder Infektiosität): die Wahl des Modells beeinflusst stark die vorhergesagten Schwellenwerte und geeigneten Maßnahmen.

Synthese

Synthese
Die funktionale Form der Übertragung muss die Biologie der Wirte und die Kontaktstruktur widerspiegeln; die falsche Wahl zwischen Dichte‑ und Frequenzabhängigkeit führt zu qualitativ unterschiedlichen Kontrollempfehlungen und Epidemieschwellen, daher ist eine empirische Validierung der Kontakt‑Skalierung unerlässlich.