Definition
Die absolute Differenz der Ereigniswahrscheinlichkeiten zwischen einer Kontroll‑ (oder unbehandelten) Gruppe und einer Interventionsgruppe über einen definierten Zeitraum: ARR = Risiko_kontrolle − Risiko_behandlung; ausgedrückt als Anteil oder Prozentpunkt und Grundlage für die NNT‑Berechnung.

Prinzip

Prinzip
ARR quantifiziert die konkrete Änderung der Ergebniswahrscheinlichkeit, die der Intervention in jener Population und Zeitspanne zuzuschreiben ist; sie hängt vom Baseline‑Risiko und der relativen Effektgröße ab und ist direkt als absoluter Prozentpunkt‑Änderung interpretierbar.

Demonstration

Demonstration
Illustratives Szenario: In einer Studie mit einjähriger Nachbeobachtung beträgt die Ereignisrate in der Kontrollgruppe 10 % und in der Behandlungsgruppe 6 %; ARR = 0,10 − 0,06 = 0,04 (4 Prozentpunkte), entsprechend NNT = 25 für dieses Jahr.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Relative Risikoreduktion (RRR) anstelle von ARR anzugeben, wenn der absolute Nutzen kommuniziert werden soll, oder den Zeitraum und das Baseline‑Risiko wegzulassen. Der Fehler besteht darin, proportionale Reduktionen als absoluten Patientennutzen darzustellen, was bei kleinem Baseline‑Risiko die Effektgröße überhöhen kann.

Konsequenz

Konsequenz
ARR liefert ein direktes, populationsrelevantes Maß für klinische Kommunikation, gesundheitsökonomische Bewertungen und die Ableitung von NNT; fehlerhafte Darstellung oder Ignorieren von Heterogenität im Baseline‑Risiko kann klinische Interpretation und politische Entscheidungen fehlleiten.

Umkehrung

Umkehrung
Wenn das Baseline‑Risiko zwischen Subgruppen stark variiert, ändert sich die ARR, auch wenn relative Effekte konstant sind; bei wiederkehrenden Ereignissen oder konkurrierenden Risiken kann eine einfache ARR auf kumulierter Inzidenz den Nettokliniknutzen falsch abbilden und andere Schätzgrößen erfordern.

Abgrenzung

Abgrenzung
Eindeutig innerhalb: Gruppenunterschied der kumulativen Inzidenz eines binären Endpunkts über einen definierten Nachbeobachtungszeitraum. Grenzfall: Hazard‑Ratios aus Zeit‑bis‑Ereignis‑Analysen müssen in kumulative Inzidenzen umgerechnet werden, um ARR zu berechnen. Eindeutig außerhalb: relative Maße (RR, OR) und Unterschiede bei kontinuierlichen Endpunkten sind keine ARR.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Absolute (ARR) versus relative (RRR) Effektmaße: ARR liefert konkrete Risikoänderung, kann aber klein sein bei niedrigem Baseline‑Risiko; RRR kann groß erscheinen, verschleiert jedoch das absolute Patienten‑Impact.

Synthese

Synthese
ARR ist das einfache, kontextabhängige Maß des absoluten Nutzens, das NNT und die Patientenkommunikation untermauert; es ist stets mit Zeitraum, Baseline‑Risiko und Unsicherheit anzugeben und im Zusammenspiel mit relativen Maßen zu interpretieren.